{"id":1420,"date":"2022-08-15T13:29:40","date_gmt":"2022-08-15T11:29:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/?p=1420"},"modified":"2022-08-15T13:50:28","modified_gmt":"2022-08-15T11:50:28","slug":"it-burns-like-hell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/?p=1420","title":{"rendered":"It burns like hell"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Klimawandel meint mehr als das verst\u00e4rkte Auftreten von Extremwetter \u2013 er bezeichnet den Anbruch einer neuen \u00c4ra der Erdgeschichte, f\u00fcr den wir denkbar schlecht ger\u00fcstet sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table aligncenter\"><table><tbody><tr><td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"200\" class=\"wp-image-1322\" style=\"width: 200px;\" src=\"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Aaron_Sterniczky_Cop26_Glasgow.jpg\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Aaron_Sterniczky_Cop26_Glasgow.jpg 480w, https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Aaron_Sterniczky_Cop26_Glasgow-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/td><td><em>Gastbeitrag von <strong>Aaron Sterniczky<\/strong> <\/em><br><em>Politikwissenschafter, Klimaforscher<\/em><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Evolutionsbiologie lernt uns die Einsicht, dass die Entstehung von Leben nur dort m\u00f6glich ist, wo sich nat\u00fcrliche Habitate finden, die dieses gedeihlich f\u00f6rdern. Leben gr\u00fcndet auf planetaren Voraussetzungen, von denen es unmittelbar abh\u00e4ngt, die es selbst nur bedingt beeinflusst. F\u00fcr den Aufbau von Zivilisationen gilt das noch eklatanter: Siedlung in St\u00e4dten, die Kultivierung von Land, die Domestizierung von Vieh, die Kontrolle \u00fcber die Wasserversorgung, Warenverkehr und Mobilit\u00e4t, landwirtschaftliche Kreisl\u00e4ufe, der Aufbau von Verwaltung, Handel und Kultur, all diese Elemente, die Zivilisation begr\u00fcnden, sind dann m\u00f6glich, wenn es die planetaren Bedingungen zulassen. <strong>Es braucht die Vorhersehbarkeit<\/strong> von Wasserkreisl\u00e4ufen, Jahreszeiten, tradiertes Wissen \u00fcber die Flora und Fauna, regionale und geografische Spezifika, Temperaturunterschiede und Konstanz, was die klimatischen Ver\u00e4nderungen \u00fcber das Jahr hinweg betrifft, Verst\u00e4ndnis von fruchtbaren B\u00f6den, um so agieren zu k\u00f6nnen, <strong>dass vorausschauendes Handeln m\u00f6glich ist<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nun der <strong>menschverursachte Klimawandel<\/strong> selbst, der die Grundlagen dieser erwirkten Ordnung, massiv zu st\u00f6ren anf\u00e4ngt. Es geht also weniger um das verst\u00e4rkte Extremwetter, das sich samt Konsequenz weltumspannend beobachten l\u00e4sst und Gemeinschaften herausfordert, zweifellos schlimm genug. Es geht aber stattdessen um die schonungslose Gesamtbedeutung dessen, was gerade hier passiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Durchschnittstemperaturen steigen, dass l\u00e4sst sich nunmehr das ganze Jahr \u00fcber durchg\u00e4ngig f\u00fchlen und statistisch objektiv best\u00e4tigen. Dieser Sachverhalt ist allgemein bekannt. Dass aber <strong>mit einem Anstieg der Temperatur um einen Grad Celsius unter anderem der Wasserdampfgehalt der Atmosph\u00e4re um 7 % zunimmt<\/strong>, das wird weit weniger gewusst und besprochen. Die Bedeutung dieser physikalisch-meteorologischen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit l\u00e4sst sich jedoch kaum \u00fcberstrapazieren: Wir beleben den Wasserplanten. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Erdoberfl\u00e4che ist von Wasser bedeckt, der Ursprung allen Lebens findet sich im Wasser, die Ozeane binden den gr\u00f6\u00dften Teil der C02-Emissionen, die der Mensch verursacht. Wasser macht als Feuchtigkeit den Boden fruchtbar und wirksame Wasserzyklen tragen daf\u00fcr Sorge, dass Wassermassen mittels Regenmengen \u00fcber Land verteilt werden. Nun \u00e4ndern sich diese Konstanten radikal: Die Atmosph\u00e4re h\u00e4lt, wenn sie sich erw\u00e4rmt, mehr Wasser in Form von Wasserdampf. Das f\u00fchrt zu Ausf\u00e4llen von Regenzeiten, die gestaute Feuchtigkeit in der Atmosph\u00e4re selbst ist unter anderem dem Boden entzogen, der zusehends unfruchtbar wird. Wenn es dann zu Regenf\u00e4llen kommt, dann passieren diese als Starkregen \u2013 der Boden schafft es nicht diese Wassermassen zu absorbieren, gerade vor dem Hintergrund intensivierter Bodenversiegelungen, was \u00dcberschwemmungen verursacht, Folgesch\u00e4den anrichtet, die globale Versorgung mit Nahrungsmittel gef\u00e4hrdet. Ein Bericht der FAO \u2013 der Food and Agriculture Organization der UN \u2013 analysiert entsprechend, dass <strong>ein Grad durchschnittliche Erw\u00e4rmung das Risiko eines globalen Ernteausfalls von 10 % des globalen<\/strong> Ertrags impliziert. F\u00fcr jedes Grad Anstieg der Durchschnittstemperatur also das Risiko von 10 % Ernteausf\u00e4llen. Das l\u00e4sst sich dokumentarisch im b\u00fcrokratischen Tonfall beschreiben, f\u00fchrt aber eigentlich an die Grenzen der uns zur Verf\u00fcgung stehenden Vorstellbarkeit, denn es mangelt der Erfahrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenw\u00e4rtig befinden wir uns als Weltgesellschaft auf dem Weg, die globale Durchschnittstemperatur bis <strong>zum Ende des laufenden Jahrhunderts um drei Grad<\/strong> im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu erh\u00f6hen. Das markiert aktuell die plausibelste Perspektive. Die Aussage mutet aber geradezu harmlos an. Vielmehr gilt es zu bedenken, was das nun tats\u00e4chlich bedeutet: Wir \u00e4ndern die planetarischen Bedingungen so radikal, dass wir zu Ende dieses Jahrhundert im Grund genommen auf einem anderen Planeten leben als zu Beginn. Illustrativer gedacht, <strong>wir ziehen auf einen anderen Planeten um, ohne die Erde zu verlassen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die essenzielle Problematik besteht darin, dass<strong> wir unsere zivilisatorischen Grundlagen jedoch f\u00fcr den bestehen Planeten, nicht f\u00fcr den antizipierbaren gebaut haben <\/strong>und es h\u00f6chst zweifelhaft erscheint, ob \u00f6konomische, \u00f6kologische, soziale, gesellschaftliche, rechtliche, technologische, digitale, politische, kulturelle, kognitive, diskursive, religi\u00f6se, metaphysische und strukturelle Adaptierung in dem Ausma\u00df \u00fcberhaupt m\u00f6glich sein wird, wie sie in Zukunft notwendig erscheint, um \u00fcberhaupt eine Zukunft zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist was Klimawandel nun in der Essenz bedeutet: Der <strong>Anbruch einer neuen planetarischen \u00c4ra<\/strong>, den wir durch eigenes Handeln herbeigef\u00fchrt haben, in Kenntnis der Massivit\u00e4t unseres Verhaltens. Eine \u00c4ra f\u00fcr die wir denkbar schlecht, ja nahezu vollkommen unzureichend ger\u00fcstet sind. Die individuelle Anerkennung dieses Sachverhalts und die kollektive Akzeptanz dieser so widersinnigen wie tats\u00e4chlichen Wirklichkeit, die einem Versagenseingest\u00e4ndnis gleichkommt, w\u00e4re der \u00fcberf\u00e4llige Schritt hin zum Beginn jener Transformation, die wir \u00fcberf\u00e4llig beginnen sollten. Die Chancen, den Zusammenbruch unserer zivilen Systeme und Errungenschaften als Folge der Klimakatastrophe abzuwenden, veranschlagt der renommierte Klimaforscher Joe Schellnhuber, der in der Vergangenheit mit seinen Prognosen oftmals akkurat richtig lag, gegenw\u00e4rtig bei 10 % bis 20 %. Aber in Erg\u00e4nzung dazu meint er, dass jeder Krebspatient, der eine 10% bis 20%ige \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit bei einer Diagnose gestellt bekommt, tun wird, was immer er kann, um diese minimale Chance zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was also auf pers\u00f6nlicher und kollektiver Ebene tun? \u00dcber sich hinauswachsen.<\/strong> Kollektiv, indem wir das Zeitalter fossiler Wertsch\u00f6pfung hinter uns lassen, um nicht nur \u00dcberleben zu erwirken, sondern die vorhandene M\u00f6glichkeit eines globalen Fortschritts zu realisieren. Solange wir uns das Korsett fossiler Energien aufzwingen, solange unterbinden wir als Menschen nunmehr die Chance darauf. Auf individueller Ebene verlangt es das Bewusstsein, eigenes Handeln und die eigene T\u00e4tigkeit mit der planetarischen Krise in Bezug zu setzen. Wenn Sie also Filmemacherin sind, dann drehen Sie Dokumentationen dar\u00fcber. Wenn Sie Architektin sind, bauen Sie besser H\u00e4user. Wenn Sie Autoverk\u00e4ufer sind, dann argumentieren Sie im Beratungsgespr\u00e4ch f\u00fcr die umweltschonendere Option. Wenn Sie als \u00c4rztin agieren, kl\u00e4ren Sie \u00fcber die gesundheitlichen Folgewirkung beispielsweise von extremer Hitze auf. Wenn Sie B\u00fcrgerin einer Kleinstadt sind, dann engagieren Sie sich im Nachbarschaftsverband f\u00fcr das Fahrverbot in ihrer Gasse. Diese Selbstwirksamkeit f\u00fchrt zur Erfahrung, <strong>dass es weniger entscheidend ist, sich als Optimist oder Pessimist zu begreifen \u2013 sondern als handelnder Aktivist zu agieren.<\/strong> Die \u00c4nderung der aktiven Handlungsmuster, das bedeutet es, den Anbruch eines neuen Zeitalters zu vergegenw\u00e4rtigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gastbeitrag von Aaron Sterniczky auf Basis eines Vortrages bei der Inform 2021 in Oberwart <br>Oxford \/ Oberwart, Juli 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel meint mehr als das verst\u00e4rkte Auftreten von Extremwetter \u2013 er bezeichnet den Anbruch einer neuen \u00c4ra der Erdgeschichte, f\u00fcr den wir denkbar schlecht &#8230; <a title=\"It burns like hell\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/?p=1420\" aria-label=\"Mehr Informationen \u00fcber It burns like hell\">Weiterlesen &#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1321,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,35,36],"tags":[22,56,28,42],"class_list":["post-1420","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-politik","category-these","tag-disruptiv","tag-mindset","tag-wandel","tag-zukunftsorientiert","resize-featured-image"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1420"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1432,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1420\/revisions\/1432"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zukunftgestalten.jetzt\/wp\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}